Nach Donau und Main ist die Isar mit ihrer Gesamtlänge von 263 Kilometern der drittgrößte Fluss Bayerns. Ja, viele halten die Isar sogar für das urbayerischste Gewässer überhaupt. Aber ihre Wiege steht hinter der weißblauen Grenze, auf Tiroler Boden mitten im Karwendelgebirge.
Im Hinterautal, nahe der Kastenalm kann man gleich zwei „Isarphänomene“ beobachten. Während sich andere Flüsse mit einer Quelle begnügen, treten hier drei Quellen ans Tageslicht. Da ihre Temperaturen stets 4 Grad Plus betragen, können die Wasser auch im Winter nie gefrieren. Es handelt sich also um ein ganzes Quellgebiet, das als „Isarursprung“ bezeichnet wird.
Nahe ihrem Ursprung zeigt sich die Isar – oft als „die Grüne“ besungen – noch in leuchtendem klaren, kalten Gletscherblau. Schnell mausert sie sich zu einem wildromantischen Gebirgsfluss, der sich durch Felsbrocken und andere Hindernisse nicht aufhalten lässt. Über das tirolerische Scharnitz hat sich die Isar ihren natürlichen Weg nach Mittenwald, Krün und Wallgau gesucht. Danach ist es ein weiter Weg, den die Isar von Wallgau über Lenggries, Bad Tölz, Wolfratshausen, München, Freising, Landshut, Dingolfing und Landau bis Plattling zurücklegt, um sich in der Nähe der letztgenannten Stadt, südwärts von Deggendorf, in die Donau stürzt.
Als zwischen 1918 und 1924 das Walchenseekraftwerk in Kochel entstand, wurde der Isar bei Krün das Wasser entzogen und in einem Kanal dem Walchensee zugeführt. Neben den Bauern, Naturschützern und den Interessenten des Fremdenverkehrs wehrten sich damals die Flößer besonders heftig gegen diese Baumaßnahme. Bot ihnen doch das nach München und weiter sogar bis nach Wien fließende Wasser bis dahin ihre Lebensexistenz. Aber aller Protest war zunächst vergebens. 1922 konnte das letzte Floß nach München fahren. Damit war nicht nur das Ende für einen der bedeutendsten Erwerbszweige des oberen Isartals gekommen, sondern auch das Austrocknen des einst so stolzen und lebendigen Flusses.
Die Zeiten haben sich geändert. Flöße sind als Transportmittel im einundzwanzigsten Jahrhundert nicht mehr gefragt. An die Zunft der Flößer erinnert heute nur noch der Flößerhaken im Wallgauer Wappen und diverse Lüftelmalerei wie zum Beispiel am Wallgauer Rathaus. Aber seit dem 1. Mai 1990 darf der Isar nur noch ein Teil ihres Wassers entnommen werden, dem Rest lässt der Mensch nun wieder freien Lauf durch das ursprüngliche Flussbett.
Von seiner Quelle bis zum Isarhorn muss sich der Fluss einengen, von Krün über Wallgau – immer am Fuße des Karwendelgebirges entlang – nach Vorderiß hat er nun Platz sich zu einer einmaligen Wildflusslandschaft auszubreiten. Ein Journalist der Zeitung „Stern“ bezeichnete diesen Isarabschnitt einmal als den „Gran Canyon“ Bayerns. Eine artenreiche Flora begleitet die Isar hier auf ihrem Weg: die Schneeheide mit ihren rosaroten zarten Blüten, die Silberwurz – ein Relikt aus der Eiszeit – deckt das Kiesbett mit weissblühenden Matten zu, das Steinrösel macht sich durch seinen Duft bemerkbar und Mehlprimel, Alpenfettkraut, Steinbrechgewächse, seltene Orchideen und blaue Enziane tragen zum bunten Blütenteppich an ihren Ufern bei.




