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Dienstag, 07.09.2010
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Unsere Flora in der Alpenwelt Karwendel

Unser Hochtal besitzt eine reiche alpine Flora, die es zu bewundern und schützen gilt.

Dieses kleine Paradies wächst auf teilweise kargem Kalkschotterboden. Unter dem Einfluß warmer Föhnwinde hat sich eine Pflanzengesellschaft entwickelt, die ihren Anfang wahrscheinlich mit dem Einzug der Kiefer nach der Eiszeit genommen hat, und deren Reichtum dadurch gekennzeichnet ist, dass sehr verschiedene Arten zusammen leben. Somit müssen diese Pflanzen mit einem unglaublichen Erfindungsreichtum zum Überleben in diesen extremen Bedingungen ausgestattet sein. Trockenheit, strenge Kälte und Sonnenhitze verlangen besondere Anpassung wie bsp. niederer Wuchs, Genügsamkeit - keine Ansprüche an den Boden, Wachse und Härchen, welche vor Verdunstung schützen, dauerhafte Nadeln, die Laub sparen helfen und Polster oder dicht gewobene Pflanzenteppiche, welche die Feuchtigkeit zusammenhalten und sie der Pflanze wieder zurückführen.

Die Föhrenheide
Die kegelwipflige Föhre ist im Gegensatz zu ihren nahen Verwandten, der Legföhre oder Latsche, welche die mageren Steilhänge oberhalb der Baumgrenze bedeckt, aufrecht gewachsen. Sie bildet Miniaturwäldchen, charakteristisch für die Isarauen bis München. Als Gast aus dem Süden ist sie etwas besonderes. Die ätherischen Öle dieser Kieferarten sind von altersher in der Volksmedizin bekannt und sorgen bei warmer Sonnenbestrahlung, durch platzen der Ölzellen, für würzige und heilsame Luft.

Die Schneeheide, eine Verwandte des nördlichen Heidekrautes, ist mit ihren zarten, fleischfarbigen Glöckchen der erste Frühlingsbote, wenn der Schnee zu schmelzen beginnt. Sie ist eine typische Alpenpflanze und hält mit ihren dichten Polstern den Boden zusammen und wird weiters als Humusbildner geschätzt. Das Kalk- oder Blaugras, dessen stahlblaue Köpfchen im lauen Frühlingswind erblühen, wenn sonst noch alles trocken ist, bietet dem Betrachter ebenfalls einen schönen Anblick.


Der stengellose Enzian begeistert uns durch seine Farbe und Form. Bei feuchtem Wetter schließt er sich. Sechs Jahre und mehr müssen vergehen, ehe aus den kleinen Samen eine blühende Pflanze wird.

Die Mehlprimel lässt erkennen, dass sie die Urform unserer gezüchteten Topfprimel ist. Ihren Namen hat sie von der weissen „bemehlten“ Unterseite der kleinen Blätter, einer Wachsschicht, die vor zu starker Verdunstung bewahrt.

Dem Steinrösl gebührt besonderer Schutz. Obwohl dieses Kleinod seit 1914 streng geschützt ist, werden die duftenden, rosafarbigen Blütensterne immer noch büschelweise gepflückt. Ihre kleinen Blütendolden erinnern an die Alpenrose, aber das Steinrösl gehört einer anderen Pflanzengruppe an, den Seidelbastgewächsen. Die Isarauen um Krün und Wallgau sind für diese verfolgte und vom Aussterben bedrohte Art berühmt und in botanischen Werken vermerkt.

Weiters gibt es die herzblättrige Kugelblume und das Brillenschötchen, das seinen Namen der Form seiner Samenanlagen verdankt. Alpenklee, Wundklee, Hornklee und Hufeisenklee helfen den Boden mit ihren stickstoffbindenden Würzelchen zu verbessern. Für alle findet sich ein Plätzchen: Blutwurz oder Tormentil, das echt Labkraut, niedere Doldengewächse wie Bergmöhre und Alpenbibernell, Alpenleimkraut, Teufelskralle, schmalblättrige Glockenblumen, Habichtskraut, Ochsenauge, Sumpfherzblatt und der deutsche lilablühende Enzian. Die kleine Flockenblume, mit ihren bläulich, harten Blätten, der Kornblume sehr ähnlich. Dazwischen stehen viele Gräser sowie das Zittergras. Ein wunderschöner Anblick!

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Orchideen
Wenn man den Begriff Orchideen hört, muss man an tropische Wälder mit exotischen Blüten in faszinierenden Formen denken. Daneben schauen unserer einheimischen Orchideen bescheiden aus. Doch wenn wir sie durch eine Lupe vergrößert betrachten, werden wir über die Formenvielfalt staunen und ihre Schönheit bewundern. Die Familie der Orchideen gehört unter anderen mit den Lilien zur großen Klasse der einkeimblättrigen Pflanzen. Die Blüten dieser Gruppe sind durch einen bestimmten Bauplan gekennzeichnet. Zuerst drei grün gefärbte Blütenblätter, dann drei farbige Blütenblätter und die auffällige Mittellippe gestalten die äußere Form der Orchidee.

Für das Wachstum sind die Bodenbeschaffenheit, Wärme und Feuchtigkeit von ausschlaggebender Bedeutung. Orchideen gedeihen nur an für jede Art besonders charakteristischen Plätzen. Geringfügige Veränderungen des Lebensraumes führten zum Absterben und Verschwinden. Orchideensamen zählen zu den Kleinsten unserer Erde. Nur unter bestimmten, günstigen Bedingungen gelangt er zur Keimung und bedarf 15 Jahre und mehr, um zu einer ausgewachsenen, blühenden Pflanze zu werden. Der oft imponierende Blütenstand stellt das Ziel und das Ergebnis aller Kräfte der Pflanze dar. Nach dem Abblühen werden die Nährstoffe abgebaut, zurückgeführt und in den Knollen bzw. Wurzeln gespeichert. Geschieht das nicht, so stirbt die Pflanze aus Ermangelung von Reserven ab. Unser Abpflücken verhindert nicht nur die lebenswichtige Samenbildung sonder führt auch oft zum Eingehen.

Hier in der Alpenwelt Karwendel blühen eine Vielzahl unterschiedlicher Orchideen. Unsere einheimischen Orchideen heissen Knabenkräuter, das deutet auf die Form der Wurzelknollen hin. Alle hiesigen Arten sind kalkliebend und an unterschiedlichen Standorten anzutreffen. In Feuchtgebieten, am Barmsee und Grubsee beispielsweise, finden wir das breitblättrige Knabenkraut und die Sumpfwurz. Auf Magerrasen und Buckelwiesen stehen das Brand-Knabenkraut, die Grüne Waldhuyzinthe und die Fliegenragwurz. Im Bergwald und an offenen Stellen entdecken wir das gefleckte Knabenkraut, die Mücken-Händelwurz, das Zweiblatt, den Frauenschuh und das Waldvöglein. Obwohl sie alle gesetzlich geschützt sind, werden sie gepflückt, ausgegraben und weggedüngt. Eigenart und Schönheit haben sie zu Sammelobjekten gemacht. Oft sind Unwissenheit und Gedankenlosigkeit, aber auch Rücksichtslosigkeit Ursachen dieses Verhaltens. Wenn wir die Einmaligkeit der einheimischen Flora achten und lieben, wird es nicht schwerfallen diese faszinierenden Blüten unserer Pflanzenwelt zu schützen und zu bewahren.


Alpenländische Heilkräuter
Mit einem tiefen Atemzug Luft holen und den Duft unserer einheimischen Kräuter einzuatmen ist wahrlich eine Wohltat. Wir nehmen dabei Stoffe auf, die durch die Wärme der Sonne verdunstet sind und somit vielen Pflanzen ihren charakteristischen Geruch verleihen. Meist sind es ätherische Öle, wie zum Beispiel das Latschenöl, welches hier bei uns sehr bekannt ist, keimtötend wirkt und die Atemwege desinfiziert.

Wenn zu Maria Himmelfahrt am 15. August die Kräuterbüschel zur Weihe getragen werden, so sollten es von den ehemals 77 festgelegten Heilkräutern 7 oder 9 sein, die hier schön um eine hochragende Wetterkerze bzw. Königskerze herumgebunden werden wie z.B. Johanniskraut, Tausendguldenkraut, Kamille, Pfefferminz, Arnika, Schafgarbe, Meisterwurz, Wohlmuht und Wermut, Rosmarin, Frauenkraut, Ringelblume, Salbei und drei einjährige Triebe vom Haselnussstrauch sowie beischmückende Gewächse wie Vogelbeeren, Ähren und viele Blumen aus dem Bauerngarten. Dieser, am Himmelfahrtstag in der Kirche geweiht, hält getrocknet ein ganzes Jahr. Früher hat man ein Stück, falls ein Vieh erkrankte, ins Futter untergemischt, um das Vieh wieder gesund zu bringen. Auch bei starkem Unwetter und Hagel holte man ein Zweiglein des getrockneten Kräuterbuschen, zerrieb es und legte es kreuzweise auf das Feuer, streute Salz und Weihrauch darauf, welches den Blitzschlag abhielt.

Königskerze:Die Schleimstoffe der Königskerze helfen als Tee getrunken gegen Husten und Bronchitis.

Johanniskraut: Als Tee getrunken hilft gegen Kopfweh und dient zur Beruhigung. Als Öl verarbeitet ist es gut gegen Gicht, Rheuma und Gelenkschmerzen.

Spitzwegerich:Als Tee getrunken gut gegen Husten. Die Blätter kann man auch auf Insektenstiche legen, welche den Juckreiz vermindern.

Beifuß:Als Tee gesundheitsfördernd bei Magen- und Gallenstörungen.

Wegwarte:Als Tee lindernd für Erkrankungen der Haut.

Dost: Als Tee getrunken hilft er gegen Erkrankungen der Luftwege

Goldrute: hilfreich bei Nieren- und Blasenleiden

Kleine Weidenröschen: gut gegen Prostataleiden

Thymian:Als Tee getrunken gut für Erkältung und Husten

Baldrian:Tee dient zur Beruhigung

Taubnessel: hilft bei schmerzhafter Periode

Frauenmantel: Tee lindert Frauenleiden

Kleines Habichtkraut:Als Tee getrunken hilft er gegen Bettnässen, Bluthochdruck und Nasenbluten

Hierteläschel:Tee bei Unterleibsleiden und zur Blutstillung hilfreich.

Ringelblume:Tee hilfreich zur Blutreinigung. Als Salbe wirkt sie entzündungshemmend.

Bibernelle: Als Tinktur magenstärkend

Labkraut: gut für Nieren- und Blasenleiden

Fingerkraut: Tee stärkt Nieren, Blase, Leber und Gedärm

Wundklee:hilft bei Wundbehandlung

Malve:als Tee getrunken gut für Husten, zur äußerlichen Anwendung gegen Insektenstiche

Mariendistel: hilft bei Lebererkrankungen


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