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Samstag, 11.09.2010
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Die Flößerei – einst lebenswichtig

Die Böden des oberen Isartales haben schon immer recht karge Erträge erbracht. Die nur wenigen Landwirte hier hatten somit ein hartes Dasein. So mussten sie nebenbei für weitere Einkünfte sorgen. Nun, was bietet sich in der rauhen Bergnatur wohl an? Naturprodukte, wie Holz und Stein, wurden be- und verarbeitet.


Die nahe am Ort vorbeifließende Isar war die günstigste Voraussetzung für das einfache und billige Transportunternehmen, nämlich die Flößerei. Die unmittelbar an den Fluß grenzenden Berge boten reichlich Holzvorräte. Alte Aufnahmen von Wallgau beweisen und lassen erkennen, wie die Nordhänge des Soierngebirges von Kahlschlägen betroffen waren.

Die Flöße beförderten neben Personen auch vielerlei Waren und da wiederum häufig einheimische Erzeugnisse, wie Marmorsteine, Kreide aus Kaltenbrunn, Holzkohle und gebrannten Kalk.

Wie gefährlich der Beruf des Flößers war, veranschaulichen Berichte aus jener Zeit.

So erzählt der alte Kramer in seiner Chronik: „ Vater (Posthalter aus Wallgau) hatte auch eine Flößerei. Auf einer Fahrt nach Wien fuhr sein Floß bei Landshut gegen eine Brücke. Vater und sein Floßknecht fielen ins Wasser, das Floß zerbrach in zwei Teile. Beide Flößer hielten sich daran fest. Personen auf der Brücke beobachteten das Unglück. Ein Mann fuhr sogleich mit seinem Schiff hinterher und rettete sie!“

Auch zu tödlichen Unfällen kam es. So wird u. a. berichtet, dass Johann Holzer „zum Bartl“, Hs.-Nr. 11, auf einer Floßfahrt nach Wien bei Wörth in der Isar ertrunken ist (etwa 1850). Im Jahre 1860 musste Anton Bartl „zum Kramer“, Hs.-Nr. 9, an der Pferdeschwemme bei Thalkirchen/ München in der reißenden Isar sein Leben lassen. Erst 10 Tage später wurde sein Leichnam bei Ismaning an der Isar gefunden.

Zwischen 1918 und 1924 entstand das Walchenseekraftwerk. Der Isar wurde bei Krün das Wasser entzogen und in einem Kanal dem Walchensee zugeführt. Das Flußbett trocknete aus. Neben den Bauern, Naturschützern und den Interessenten des Fremdenverkehrs wehrten sich besonders heftig die Flößer des oberen Isartales gegen diese Baumaßnahme. Es ging ja schließlich um ihre Lebensexistenz! Doch aller Protest war vergebens.

Im Wallgauer Wappen ist zur Erinnerung an die Zunft der Flößer auch der Flößerhaken und die Isar dargestellt. 1922 fuhr das letzte Floß nach München. Damit war das Ende für einen der bedeutendsten Erwerbszweig von Wallgau und dem oberen Isartales gekommen.
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